Reisebüros in Deutschland streiken


Die Coronakrise trifft vor allem die Reisebranche hart. Erst kürzlich wurde die internationale Reisewarnung bis zum 14.06. 2020 verlängert. Mitarbeiter von Reisebüros und Tourismusbetrieben haben daher am vergangenen Mittwoch, den 29.04., in Dresden, Leipzig und Chemnitz demonstriert. Ziel der Demonstration war die Erwirkung von sofortiger wirtschaftlicher Hilfe.

Wie ist die Lage der Reisebüros einzuschätzen?

Nach einer Einschätzung von Branchenverbänden sehen derzeit rund zwei Drittel der Reiseveranstalter und Reisebüros sowie 80 Prozent der touristisch orientierten Busunternehmen in den nächsten Wochen ihre Existenz bedroht. Einnahmen werden voraussichtlich bis zum Sommer oder gar Herbst ausbleiben. Die Frühjahrssaison ist bereits mit erheblichen Einbußen verstrichen. Gerade kleinere, inhabergeführte Reisebüros, die über keine großen finanziellen Rücklagen verfügen, fürchten sich vor einer Insolvenz. Diese Befürchtungen sind nicht unbegründet. Noch gibt es keinerlei klare Perspektive, wann die Reisebranche ihren Betrieb stufenweise wieder aufnehmen kann. Ohne Anhaltspunkt, welchen Zeitraum es finanziell zu überbrücken gilt, gestaltet sich die Planung umso schwieriger.

Demonstration in Leipzig und Chemnitz

In Leipzig haben auf dem Augustusplatz Inhaber und Mitarbeiter von Reisebüros demonstriert. Die Demonstration einer genehmigten Teilnehmerzahl von bis zu 50 Personen erfolgte unter Beachtung der geltenden Hygieneauflagen. Auf einen Aspekt wurde besonders deutlich aufmerksam gemacht: Den Reisebüros fehlen die Provisionen, welche sie von den Reiseveranstaltern normalerweise nach erfolgreicher Buchung erhalten. Die Veranstalter verlangen bei Rückabwicklung auch die Provisionen zurück. Aufgrund der aktuellen Situation ist die Anzahl der Rückabwicklungen enorm. Die Reisebüros erwirtschaften seit Wochen keinen Gewinn. Eine bedrohliche Entwicklung, deren Ende noch nicht in Sicht ist.

Eine besonders bildhafte Demonstration der aktuellen Lage wurde in Chemnitz durchgeführt. Liegestühle und leere Reisekoffer standen auf dem Neumarkt. Die Reisebranche wurde gleich zu Beginn der Pandemie stark eingeschränkt und wird höchstwahrscheinlich an letzter Stelle stehen, was Lockerungen anbetrifft. Ein Zustand, den viele Reisebüros wirtschaftlich nicht überleben können. Daher haben sich viele nun dazu entschlossen, um Hilfe zu bitten. Ein ähnliches Bild wie in Chemnitz zeigte sich in der Cottbusser Innenstadt. Hier protestierten beispielsweise Vertreter von Reisebüros aus Zittau, Görlitz und anderen Orten der Lausitz mithilfe von Liegestühlen und leeren Koffern, um auf die ernste Lage aufmerksam zu machen.

Situation bundesweit

Im gesamten Bundesgebiet haben sich mittlerweile ähnliche Aktionen gehäuft. Die Sorge ist groß, der Ausgang ungewiss. Außenminister Heiko Maas hatte mehrfach deutlich gemacht, dass es einen Sommerurlaub, wie wir ihn kennen, in diesem Jahr aufgrund der Corona-Krise nicht geben wird. Die Notwendigkeit der Reisewarnung wird mit den weiterhin geltenden, drastischen Einschränkungen im internationalen Luftverkehr und weltweiten Einreisesperren untermauert. Vorerst bleibt nichts anderes übrig, als die weitere Entwicklung abzuwarten.