Oktoberfest 2020 abgesagt – Folgen und Reaktionen


Es wurde bereits im Vorfeld gemunkelt, nun ist es seit einigen Tagen offiziell verkündet: Das Oktoberfest 2020, das vom 19. September bis 4. Oktober hätte stattfinden sollen, wird bedingt durch die Coronapandemie abgesagt. Die Reaktionen in der Bevölkerung sind durchwachsen. Enttäuschung und Verständnis sind in gleichem Maße vorhanden. Eine solch drastische Maßnahme wie die Absage des beliebten Volksfestes macht außerdem bewusst, wie ernst die momentane Lage ist. Für viele Menschen zählen die „Wiesn“ zum Jahreshighlight, entspanntes Feiern sowie ausgelassene Stimmung erlauben eine Auszeit vom Alltag. Das Oktoberfest 2020 wird nicht stattfinden – mit welchen Folgen ist zu rechnen?

Wirtschaftliche Konsequenzen

Das Oktoberfest bringt den Festwirten, Brauereien, Schaustellern, aber auch Hotels und Taxifahrern durchschnittlich etwa 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro ein. Finanzielle Einbußen sind für diese Branchen leider unvermeidbar. Im Einzelfall - etwa bei kleineren Hotelbetrieben, die ansonsten während der Oktoberfestzeit mit hohem Gästeaufkommen rechnen konnten – kann dies zur Existenzbedrohung in der ohnehin schon angespannten Lage beitragen. Jedoch ist in vielen Fällen mit schnellen Hilfen vom Staat zu rechnen, um Insolvenzen zu vermeiden. Dies gilt auch für Schausteller, welche auf die Einnahmequelle „Oktoberfest“ angewiesen sind. All diese Menschen trifft die Absage der diesjährigen Wiesn dennoch hart. Trotzdem überwiegt, auch bei den Wiesnwirten, das Verständnis: Die Gesundheit der Gäste habe obersten Stellenwert. Inwieweit sich die Absage des Oktoberfestes 2020 auf künftige Oktoberfeste auswirken wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar. Seit mehr als 70 Jahren ist es das erste Mal, dass das Oktoberfest ausfällt. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs hatte es 1949 erstmals wieder in seiner traditionellen Form stattgefunden. Das erste Oktoberfest war im Jahre 1810 anlässlich der Hochzeit des bayerischen Thronfolgers Ludwig veranstaltet worden. Im 19. Jahrhundert war das Oktoberfest zweimal aufgrund einer Cholera-Epidemie ausgefallen. Die Coronakrise schließt sich nun an dieses traurige Beispiel an, dennoch ist diese Schutzmaßnahme zwingend notwendig.

Die Begründungen

Bayerns Ministerpräsident Söder begründet die Absage des Oktoberfests 2020 mit der Gefahr, dass eine solche Großveranstaltung die Infektionszahlen wieder rasant nach oben treiben könnte. Dieses Risiko ist zweifelsohne gegeben. Bereits zu Beginn der Epidemie hatten sich Großveranstaltungen als Infektionsherde entpuppt (Apres-Ski in Ischgl, Karnevalsveranstaltungen). So traurig die Entscheidung auch sein mag: Die Vermeidung eines offensichtlichen Risikos ist notwendig, um in absehbarer Zeit wieder in einen normalen Alltag zurückzukehren. Die Durchführung des Oktoberfests wäre aufgrund der realen Gefährdung unverantwortlich. Ein Bierzelt lebt von der Nähe, so Söder. Niemand möchte hier – verständlicherweise – auf Mindestabstände achten. Auf dem Oktoberfest wird gefeiert, Bier getrunken und mit dem Nachbarn geschunkelt. Regelungen wie Alltagsmasken und Tische mit Mindestabständen sind im Festzelt surreal und nicht umsetzbar. Von daher war die Absage der Wiesn 2020 die einzige Möglichkeit.